Die digitale Herausforderungen

In den meisten Fällen ist eine technologische Entwicklung immer schneller als die Gesetzgebung. Erfinder schauen selten erst ins Gesetzbuch, bevor sie anfangen zu tüfteln. So waren die Behörden ratlos, als die ersten Autos erfunden wurden, wussten nicht, wie sie das elektrische Licht behandeln sollen und taten sich auch mit dem Internet schwer. Sogar Computer waren ein Sicherheitsrisiko in den Zeiten des Kalten Krieges.

Eine ähnliche Entwicklung machten auch Online-Casinos durch – und auch im Jahr 2018 ist das Thema noch immer nicht aus der Diskussion. Bevor Spielen eine digitale Komponente hatte, war die Welt relativ in Ordnung. Es gab Spielbanken für das große und kleine Spiel und sie brauchten eine besondere Konzession. Wer nur Automaten betrieben wollte, also das kleine Spiel, brauchte eine andere Konzession. Da man weder eine Spielbank noch einen Automatenhandel so einfach verbergen kann, funktionierte das System auch (von ein paar illegalen Pokerturnieren in verrauchten Hinterzimmern einmal abgesehen.)

Das Internet aber brachte diese Welt ganz schön durcheinander. Denn ein Online-Casino hat keine physische Präsenz. Es ist, aus Spielersicht, immer da, wo sich der Spieler befindet. Aus Sicht des Casinos ist es dort, wo sich der Firmensitz befindet. Man kann sogar argumentieren, es sei dort, wo sich der Server befindet. Wenn ich als Spieler also online ein Casino betrete, das sich technisch auf einem Server in Australien und als Firma in Gibraltar befindet, dann sollte ich nicht gegen eine deutsche Spielbankregelung verstoßen.Image result for Die digitale Herausforderungen

Diskussion hat viele Facetten

Aber so einfach ist es nicht, und deshalb tun sich Gesetzgeber so schwer damit, eine Regulierung zu finden, die alle zufriedenstellt. Zum einen gibt es die Bedenken, was die Spielsucht angeht – auch wenn gerade die Online-Casinos hier seht aktiv sind, gerade mit technischen Hilfsmitteln – zum andern geht es aber auch um Verbraucherschutz und Standards. Und wie immer bei öffentlichen Diskussionen sind auch viele Emotionen im Spiel.

Casinos stehen dabei nicht alleine: Das Internet kennt grundsätzliche keine Grenzen, und deswegen versteht der Verbraucher auch nicht warum er Zoll für ein Fahrrad bezahlen soll, das er bei Amazon bestellt hat, aber aus Amerika angeliefert wird. Auch Banken hinken hinterher, auch wenn es hier gerade die Casinos sind, die Finanzinstitute unter Druck setzen: Denn Spieler wollen von den Banken sehen, dass diese es ihnen einfach machen, Geld zu einem Casinos zu schicken, und das hat einige schon dazu bewogen, über alternative Kanäle nachzudenken. Dienste wie Direktüberweisung sind bereits Wege, die eine schnellere Überweisung möglich machen. Ganz vorne in der technischen Entwicklung stehen die Kreditkartenunternehmen, die es Casinos einfach machen, als Zahlungsmittel benutzt werden zu können, ohne dabei die Sicherheit aufs Spiel zu setzen.

Es wird wohl noch etwas dauern, bis man in der Diskussion um die Zulassung von Online-Casinos in allen Ländern weiterkommt. Vielleicht braucht es auch mehr Zusammenarbeit zwischen Casinos und Gesetzgebern und den Willen, eine Lösung zu finden, die alle so weit wie möglich zufriedenstellt. Es scheint, dass gerade die Casinobetreiber hier offen gegenüber Vorschlägen sind, die Politik sich jedoch noch ziert, vor allem weil man Angst hat, Wähler zu verschrecken und Stimmen bei der nächsten Wahl zu verlieren.